Dietmar Kühbauer – neuer Rapidtrainer!

Didi Kühbauer neuer Rapid-Trainer
Weißer Rauch in Hütteldorf – habemus Didi Kühbauer! Wie tickt der neue Rapidtrainer? Welche Erfolge hat er vorzuweisen? Welche Herausforderungen erwarten ihn bei seinem Herzensverein?

Seit Montagabend ist es offiziell – der 47jährige Burgenländer beerbt Goran Djuricin als neuen Cheftrainer von Rapid Wien. Sein Kontrakt läuft bis 30.06.2021 und der SKN St. Pölten darf sich über eine hübsche Ablösesumme freuen. Mit Manfred Nastl nimmt er seinen langjährigen Weggefährten als Co-Trainer in die Bundeshauptstadt mit und ersetzt dort Martin Bernhard, der dem Verein in anderer Funktion erhalten bleiben soll.

Viel Zeit zur Eingewöhnung bleibt dem neuen Trainerteam nicht. Am Donnerstag gastieren die Grün-Weißen im Rahmen der Europa League in Glasgow bei den Rangers, am Sonntag folgt das rasche Wiedersehen mit dem SV Mattersburg. Dieses Mal allerdings daheim im Weststadion. Danach ist 13 Tage Länderspielpause.

 

Dietmar Kühbauer – der Spieler:

„Don Didi“. Jahrhundertrapidler.

1992 wechselte er von Admira Wacker zum Rekordmeister und avancierte unter Trainer Ernst Dokupil zum Leader einer legendären Rapidmannschaft. Mit Zoki Barisic, Sergej Mandreko und Stephan Marasek – nach den gleichnamigen Comicfiguren als „Daltons“ bekannt – verbindet ihn eine langjährige Freundschaft.

In der Saison 1994/95 konnte mit einem 1:0-Sieg im Finale gegen DSV Leoben der Cupsieg errungen werden. Seither warten die Rapidfans vergeblich auf einen weiteren Gewinn der Trophäe.

1995/96 führte der torgefährliche Mittelfeldspieler den Rekordmeister zum Meistertitel und ins Finale des Europapokal der Pokalsieger gegen Paris St. Germain. Nach der erfolgreichen Qualifikation zur Champions League konnten in einer Gruppe mit Manchester United, Juventus Turin und Fenerbahce Istanbul 2 Punkte eingefahren werden.

Nach einem schweren familiären Schicksalsschlag suchte er 1997 in der spanischen Liga bei Real Sociedad eine neue Herausforderung und nach 3 Jahren wechselte er zu Wolfsburg in die deutsche Bundesliga.

2002 kehrte er nach Österreich zu seinem Jugendverein SV Mattersburg zurück und führte die Burgenländer in die Bundesliga. 2008 beendete der 55fache Teamspieler und WM-Teilnehmer 1998 seine Karriere.

Mit seinem bedingungslosen Einsatz und seiner positiven Verrücktheit, gepaart mit spielerischem Können, verkörpert er die Tugenden, wofür Rapid Wien steht. Seine offen zur Schau gestellte Abneigung gegenüber dem Erzrivalen aus Favoriten und für Journalisten nicht immer leicht zu führende Interviews haben ihm den Weg in die Herzen der Rapidfans geebnet.

 

Dietmar Kühbauer – der Trainer:

Seine ersten Sporen als Trainer durfte er sich bei Admira Wacker II in der Regionalliga Ost verdienen. Nach 3 Auftaktniederlagen hat es in 41 Spielen zu 23 Siegen und 6 Unentschieden gereicht.

Walter Schachner konnte das Aufstiegsziel von Mäzen Richard Trenkwalder nicht erfüllen und wurde im April 2010 beurlaubt und durch Dietmar Kühbauer ersetzt.

In der Saison 2010/11 führte er Admira Wacker nicht nur erfolgreich zurück in die Bundesliga, sondern anschließend sogar auf Platz 3 und somit in den Europacup. Nach dem üblichen Ausverkauf der besten Spieler konnte in der Spielzeit 2012/13 gerade noch die Klasse gehalten werden. Für Didi Kühbauer war danach Schluss.

Im September 2013 heuerte er beim WAC an und ersetzte dort den glücklosen Slobodan Grubor. Nach Platz 7 in seiner ersten Saison gelang ihm im darauffolgenden Jahr mit Platz 5 die Qualifikation für den Europacup. Auf eine knappe Heimniederlage im ausverkauften Wörthersee-Stadion gegen Borussia Dortmund folgte auswärts eine gröbere Abfuhr. In der Meisterschaft kamen die Lavanttaler nicht recht in Schwung und im November 2015 wurde sein Engagement beendet.

Nach einer längeren Schaffenspause wurde Didi Kühbauer Anfang April dieses Jahres beim SKN St. Pölten als Cheftrainer vorgestellt. In der niederösterreichischen Landeshauptstadt ist es ihm in kürzester Zeit gelungen, das Chaos seiner Vorgänger zu beseitigen, den Klassenerhalt per Relegation zu fixieren und mit 20 Punkten aus 9 Spielen einen sensationellen Saisonstart hinzulegen. Mit einem 2:0-Sieg im Weststadion hat er sich den Weg auf die Trainerbank seines Herzensvereins selbst freigeschaufelt.

 

Was braucht es und erwartet ihn bei Rapid Wien?

Erfolg: Der muss sich raschest einstellen. Mit Platz 8 in der Tabelle fehlen Rapid bereits 4 Punkte auf das Meisterplayoff. Im Cup müssen die Grün-Weißen in der nächsten Runde zum WAC, in der Europa League folgt am Donnerstag das schwierige Auswärtsspiel im Ibrox Stadium.

Offensiv: 9 Tore in 9 Meisterschaftsspielen sind ein Armutszeugnis. In den letzten Spielen haperte es nicht an der Chancenauswertung, es wurden schlicht kaum Chancen herausgespielt.

Technisch versierter Fußball: Der Kader verfügt über Spieler mit sehr viel Kreativgeist. Je länger die erfolglose Saison dauert, desto mehr scheinen sich die offensiv kreativen Spieler zu verkrampfen und laufen der eigenen Form hinterher.

Physis: In kaum einem Spiel konnte die Mannschaft eine konstant gute Leistung über 90 Minuten erbringen. Die Spieler beginnen zwar in den ersten 15 Minuten explosiv, bauen aber mit Fortdauer einer Partie ab. Auch die vielen Verletzungen müssen abgestellt werden.

Psyche: Wie wir wissen, ist die Rapidmannschaft sehr sensibel. Verlieren ist problematisch. Gewinnen zeitweise auch. Die letzten Wochen waren sicherlich nicht einfach, das muss so schnell wie möglich aus den Köpfen raus.

Modern: Pressing und Gegenpressing haben in den letzten Wochen kaum mehr stattgefunden. Stattdessen wurde phlegmatisches Ballhinundherschieben zelebriert.

Taktische Flexibilität: Andere Trainer – und er selbst auch – haben gezeigt, wie man Rapid Wien mit relativ simplen Mitteln aus dem Konzept bringt. Es kann nicht sein, dass die Mannschaft in jedem Spiel den selben Spielplan hat. Und es während des Spiels keinen Plan B gibt.

In Game-Coaching: Daran wird man Didi Kühbauer messen müssen. Bei Goran Djuricin hat das kaum stattgefunden.

Die “Wadln viere richten!”: Wenn es spielerisch nicht läuft, muss die Mannschaft zumindest kämpfen und Leidenschaft zeigen. Ein Aufgeben gibt es nicht. Genau diese Attribute hat Dietmar Kühbauer als Spieler ausgezeichnet.

Jugend: Talente müssen bei uns gefördert, weiterentwickelt und eingebaut werden. Mit Mert Müldür ist ein Youngster am Sprung in die Stammelf, auch wenn er bei Goran Djuricin auf der falschen Position eingesetzt wurde. Aleksandar Kostic ist zwar bereits 22 Jahre alt, das Potential für Rapid scheint er zu haben. Er muss es jedoch endlich am Spielfeld ausschöpfen. Vor allem in der U18 tummeln sich jede Menge Talente – je früher sie bei den Profis Luft schnuppern können, desto leichter werden sie an den Verein zu binden sein.