Rapid vs. Austria – die große Derby-Analyse

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Unglückliche Rapidniederlage im ausverkauften Derby in Hütteldorf. Rapid gelingt trotz zahlreicher Topgelegenheiten kein Tor. Der Rekordmeister ist nun bereits 12 Punkte hinter Salzburg, unserem nächsten Gegner in der Meisterschaft!

 

Rapid Wien – Austria Wien – die Aufstellungen:

 

Rapid Wien:

Alar

Ivan   Knasmüllner   Murg

Ljubicic   Schwab

Potzmann   Barac   Sonnleitner   Müldür

Strebinger

Ersatz: Berisha, Martic, Hofmann, Knoflach, Pavlovic, Auer, Guillemenot

 

Austria Wien:

Edomwonyi

Venuto   Grünwald   Friesenbichler

Matic   Ebner

Igor   Schoissengeyr   Madl   Klein

Pentz

Ersatz: Jeggo, Demaku, Lucic, Monschein, Prokop, Costa, Salamon

 

Goran Djuricin überrascht nicht: Rapid im üblichen 4-2-3-1:

Mateo Barac bildet mit Routinier Mario Sonnleitner das Innenverteidigerduo, wobei der Kroate den linken Part besetzt und Maximilian Hofmann auf die Ersatzbank verdrängt. Marvin Potzmann ersetzt als linker Außenverteidiger den verletzten Boli Bolingoli und rechts erhält Youngster Mert Müldür den Vorzug gegenüber Stephan Auer.

Auf der linken Mittelfeldposition forciert Trainer Djuricin die spielerische Lösung und nominiert Andrei Ivan statt des laufstärkeren Veton Berisha. Wobei auch der Rumäne viel Laufarbeit verrichten und defensiv aushelfen muss.

In der Spieleröffnung stehen die Innenverteidiger sehr breit und werden von der violetten Solospitze Bright Edomwonyi nur gelegentlich attackiert. Vielmehr stellt der Nigerianer mit seinen Kollegen die Passwege zu und unser Innenverteidigerduo somit vor große Probleme in der Spieleröffnung. Mario Sonnleitners Stärke war das noch nie und Mateo Barac sucht noch nach dieser Qualität, die seinen Vorgänger Lucas Galvao im Vorjahr so ausgezeichnet hat. Über rechts ist Mert Müldür offensiv leider keine große Hilfe und versagt dadurch Thomas Murg die notwendige Unterstützung. Dejan Ljubicic ist von seiner Vorjahresform meilenweit entfernt und agiert fehlerhaft. Stefan Schwab weicht öfters auf die linke Seite aus und gibt Linksverteidiger Potzmann Rückendeckung. Dadurch kann der Neuzugang aus Graz die Grundlinie beackern und sein Vordermann Ivan in die Mitte ziehen. Oder umgekehrt. Auch mit klugen Wechselpässen auf Thomas Murg besticht unser Kapitän. Christoph Knasmüllner als Zehner erwischt einen rabenschwarzen Tag und findet überhaupt nicht ins Spiel. Und lässt dabei auch die kämpferischen Tugenden vermissen.

Dennoch funktionieren in der ersten Halbzeit, aufgrund der hohen technischen Qualität in der Mannschaft, einige Spielzüge sehr gut. So hätte Rapid nach einem perfekten Angriff bereits nach 90 Sekunden in Führung gehen müssen. Je länger das Spiel dauert, desto mehr muss Rapid im Aufbauspiel auf lange hohe Bälle und weite Ausschüsse setzen.

 

Thomas Letsch überrascht: Der Trainer setzt auch auf ein 4-2-3-1:

Der Deutsche hat bei den Veilchen mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen, wie sein Gegenüber Goran Djuricin. Auch er muss aufgrund der Verletzungen von Christoph Martschinko und Cristian Cuevas auf der Außenverteidigerposition improvisieren. Ähnlich wie bei Rapid Stephan Auer, genießt auch Routinier Thomas Salamon nur bedingt das Vertrauen des Trainers und der 21jährige Jan Gassmann ist vorerst für die zweite Mannschaft vorgesehen. Daher setzt Thomas Letsch überraschend auf den 20jährigen Innenverteidiger Igor als linken Außenverteidiger. Die Leihgabe aus Salzburg versuchte sich auf dieser Position bereits beim FC Liefering – gegen die SV Ried war nach einer Notbremse bereits nach 2 Minuten Schluss, beim 0:0 gegen Wiener Neustadt durfte er dann über die volle Distanz gehen.

Am rechten Flügel kommt der gelernte Mittelstürmer Kevin Friesenbichler zum Einsatz. Der Linksfuß, um den sich im Sommer noch Wechselgerüchte rankten, soll im Gegensatz zu Lucas Venuto invers agieren und durch Läufe in den Strafraum Abschlüsse suchen.

Schon in der ersten Minute ist der Matchplan der Violetten bei Ballbesitz von Rapid erkennbar. Edomwonyi steht als Solospitze zentral sehr hoch, attackiert Rapids Innenverteidigerduo allerdings nicht, sondern stellt den Raum im Aufbauspiel zu und wäre bei einer etwaigen Balleroberung perfekt anspielbar. Dahinter lauern Venuto, Grünwald und Friesenbichler, die Rapid in der Spieleröffnung die Anspielstationen nehmen. Matic und Ebner verstärken das Zentrum, weswegen Rapid auf den Flügel ausweichen muss. Igor besinnt sich als gelernter Innenverteidiger auf seine defensiven Aufgaben, während Florian Klein deutlich offensiver agiert.

 

Die wichtigsten Szenen des Spiels:

2. Minute: Riesenchance für Rapid: Nach einem schönen Angriff über unsere linke Seite und mehrere Stationen spielt Andrei Ivan einen Lochpass in den Lauf von Deni Alar. Seine Hereingabe wehrt Torhüter Patrick Pentz genau zu Christoph Knasmüllner ab – aus 9 Metern verzieht der im Europacup so sichere Torschütze kläglich.

4. Minute: Riesenchance für Rapid: Nach einem bösen Schnitzer beim Herausspielen von Innenverteidiger Michael Madl kommt Andrei Ivan von der linken Seite, nach Pass von Thomas Murg, aus wenigen Metern zum Abschluss – wieder bleibt Torhüter Pentz Sieger.

6. Minute: Riesenchance für Austria: Alexander Grünwald erobert den Ball in der eigenen Hälfte und eröffnet den Konter mit einem tollen Pass auf Kevin Friesenbichler am rechten Flügel. Der gelernte Stürmer zieht in die Mitte an Marvin Potzmann vorbei und schießt hauchzart am kurzen Eck vorbei.

15. Minute: Riesenchance für Austria: Nach schönem Seitenwechsel von Kevin Friesenbichler schläft Thomas Murg gegen Außenverteidiger Igor. Mert Müldür fokussiert sich weiter auf den Brasilianer Lucas Venuto und lässt dessen Landsmann frei gewähren. Igors Schuss geht knapp am langen Eck vorbei.

23. Minute: Riesenchance für Rapid: Nach schönem Dribbling von Thomas Murg und präziser Flanke von links setzt sich am Fünfer Deni Alar im Kopfballduell gegen Igor durch – sein Versuch verfehlt das Tor jedoch um etwa einen Meter.

31. Minute: Riesenchance für Rapid: Nach intensivem Gegenpressing und Balleroberung in der gegnerischen Hälfte steckt Deni Alar perfekt auf Andrei Ivan durch – der 21jährige läuft alleine auf Torhüter Pentz zu, seinen Schuss aus 13 Metern kann der junge Goalie gekonnt abwehren – die nächste Riesentat des gebürtigen Salzburgers.

36. Minute: Riesenchance für Rapid: Nach einer Flanke von Thomas Murg kommt Marvin Potzman auf der linken Seite – aus einer ähnlichen Position wie zuvor Andrei Ivan – per Kopf zum Abschluss. Pentz pariert. Schon wieder.

44. Minute: Riesenchance für Rapid: Eine Hereingabe, nach einem der seltenen Vorstöße von Mert Müldür, verlängert Thomas Murg auf Deni Alar – seine Direktabnahme streicht aus 9 Metern Entfernung um Millimeter über das Tor. Dieses Mal wäre der Zauberer im Tor der Violetten ohne Chance gewesen.

54. Minute: Riesenchance für Austria: Nach einem tollen Wechselpass von Thomas Ebner auf den linken Flügel patzt Außenverteidiger Mert Müldür und lässt sich von Lucas Venuto überlaufen. Auch wenn der Winkel bereits recht spitzt ist, zwingt sein Abschluss Torhüter Richard Strebinger zu einer Glanzparade.

58. Minute: TOR für Austria Wien: Einen Eckball von Uros Matic über links wehrt Verteidiger Mateo Barac mit dem Kopf zu kurz ab. Der Abpraller landet im Strafraum bei Michael Madl, dessen Schussversuch von Mert Müldür geblockt wird. Knapp außerhalb des Strafraums legt sich Alexander Grünwald den Ball zurecht und zieht Richtung langes Eck ab. Torhüter Richard Strebinger ist die Sicht verstellt und kann nicht mehr eingreifen – 0:1.

 

Was war gut?

Die erste Halbzeit war richtig gut. 6 Topchancen wurden erspielt und erarbeitet. Letztendlich ist man am eigenen Unvermögen und einem glänzend aufgelegten Torhüter Patrick Pentz gescheitert.

Rapid startet heuer in die Spiele wie aus der Pistole geschossen. Während in der Vorsaison in den ersten 15 Minuten zumeist gemächliches Abtasten angesagt war, ist die Mannschaft von der ersten Minute weg hellwach und giftig.

Aggressiv in den Zweikämpfen, Ballstafetten und eine hohe Passsicherheit mit schnellen Spielzügen haben die erste Halbzeit geprägt.

 

Was war nicht gut?

Aus so vielen Chancen muss man ein Tor machen.

Die zweite Halbzeit ist wieder eine Enttäuschung. Der Einsatz passt, aber der spielerische Faden reißt komplett. Die Pässe werden unpräziser, die Ballannahmen schlampig, Zweikämpfe leichtfertig verloren, zu oft falsche Entscheidungen getroffen und der Zug zum Tor fehlt.

Nach dem Gegentreffer vermissen die Fans das große Aufbäumen bei Rapid. Bis auf ein paar Halbchancen und geblockte Schüsse kommt Rapid dem Ausgleich nicht mehr nahe. Im Endeffekt hätte der Schiedsrichter das Spiel nach 60 Minuten abpfeifen können, denn bis auf die üblichen Spielerwechsel und einige Rangeleien gibt es keine Höhepunkte mehr.

Das Trainerteam kann keine Impulse setzen. Durch die Wechsel wird Rapid nicht stärker.

Die Idee mit Mert Müldür als rechter Außenverteidiger ist suboptimal. Gerade wenn der Gegner das Zentrum massiv besetzt, braucht man am Flügel starke Spieler. Thomas Murg ist zwar bemüht, aber komplett auf sich alleine gestellt. Und er ist auch nicht ein Sprinter wie Lucas Venuto, der den Gegner überlaufen kann, sondern braucht technisch versierte Mitspieler.

 

Fazit und Ausblick?

Allein schon wegen der zahlreichen Großchancen in der ersten Halbzeit ist die Niederlage unglücklich.

6 Topchancen in den ersten 45 Minuten, 0 Topchancen in der zweiten Halbzeit. Das zieht sich schon längere Zeit wie ein roter Faden durch die Leistungen der Rapidler. Die Mannschaft investiert sehr viel, kann aber das Leistungsniveau nur endlich halten.

Von einem In-Game Coaching ist auch weiterhin nichts zu merken. Mit Auer für Müldür, Berisha für Ivan und Pavlovic für Knasmüllner bringen auch die Wechsel keinen Impuls. Trainer Djuricin lässt sein 4-2-3-1 spielen, egal wie es gerade steht. Da wird lieber ein 0:1 gehalten, anstatt auf Risiko zu setzen. Oder hat unser Trainerteam keinen Plan B?

Mit Spartak Moskau daheim und RB Salzburg auswärts warten zwei weitere schwere Spiele. Mit bloß 9 Punkten aus 7 Spielen sind die Hütteldorfer bereits 12 Zähler hinter dem Ligakrösus aus Salzburg. Und Platz 7 reicht nicht einmal für das Meisterplayoff.

Dass nach dem Spielende etwa 30 vermummte Fans vom Block West den gegnerischen Sektor stürmen wollten, schadet dem Verein. Und wird auch die Pyrotechnikdebatte weiter befeuern.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Bei einer Flanke unsicher, ansonsten fehlerlos. Mit einigen starken Paraden. Musste sehr oft ausschießen.

Mateo Barac:

Defensiv sehr stabil, aber die angekündigte Stärke in der Spieleröffnung lässt er weiter vermissen. Dabei hat er gleich den ersten Angriff von Rapid nach 90 Sekunden mustergültig eingeleitet. Auch wenn ihm das Bemühen und der Einsatz nicht abzusprechen sind, muss er sich weiter steigern. Den Eckball vor dem Gegentor hat er sehr unglücklich abgewehrt.

Mario Sonnleitner:

Gegen Ende mit ein paar technischen Unsicherheiten, aber ansonsten sehr solide. Die Spieleröffnung wird seine Stärke nicht mehr werden, Vorwurf kann man ihm an der Niederlage keinen machen.

Mert Müldür:

Hatte mit dem schnellen Lucas Venuto eine harte Nuss zu knacken. Defensiv okay, der Chance von Igor ging ein Fehler von Murg voraus. Einzig bei der Möglichkeit von Venuto kurz vor dem Gegentor hatte er einen gröberen Patzer. Offensiv ist das für diese wichtige Position zu wenig.

Marvin Potzmann:

Lange Zeit eine starke Leistung des Wieners. Durch die Mithilfe von Schwab konnte er sich immer wieder gefährlich in das Offensivspiel Rapids einbringen.

Dejan Ljubicic:

Der Rookie der vergangenen Saison stagniert. Es unterlaufen ihm zwar keine groben Patzer, aber insgesamt fehlt es an der positiven Ausstrahlung. Dass er sich auch offensiv erfolgreich einbringen könnte, hat er bereits letzte Saison bewiesen.

Stefan Schwab:

Positionierte sich im Spielaufbau viel über die linke Seite, um dem Außenverteidiger den Rücken frei zu halten. Er wusste aber auch durch präzise Wechselpässe auf Murg zu gefallen. Im Vorjahr noch der torgefährlichste Rapidler, heuer agiert er viel zu tief, um gefährlich zu werden.

Thomas Murg:

Nach seinen zuletzt schwächeren Leistungen dieses Mal wieder sehr ambitioniert. Ohne die Unterstützung von Müldür und Knasmüllner war er jedoch viel zu oft auf sich alleine gestellt und lief sich immer wieder in der violetten Verteidigung fest.

Andrei Ivan:

In der ersten Halbzeit mit einer sehr guten Performance, jedoch glücklos im Abschluss. Mit Fortdauer des Spiels hat er körperlich abgebaut und wurde durch Veton Berisha ersetzt.

Christoph Knasmüllner:

Die schwächste Saisonleistung des bislang so starken Neuzugangs. Von der vergebenen Chance nach 90 Sekunden hat er sich bis zu seiner Auswechslung nicht mehr erholt.

Deni Alar:

Ein Stürmer wird an seinen Toren gemessen. 2 Tore hätte er machen können, keines ist ihm gelungen.

Stephan Auer:

Unmittelbar nach dem Gegentreffer eingewechselt. Offensiv mutiger als Müldür, aber ohne entscheidende Beteiligung.

Andrija Pavlovic:

Für den schwachen Knasmüllner nach 68 Minuten eingewechselt. Unspektakuläres Debüt für Rapid.

Veton Berisha:

In der 73. Minute für Ivan eingewechselt. Ein Abschlussversuch. Ohne Erfolg.