Cupfinale Rapid Wien vs. FC Salzburg – eine Nachbetrachtung

Nun ist es amtlich: Der SK Rapid Wien wird die Saison 2018/19 titellos beenden. Die grün-weiße Leidenszeit geht weiter. Letzter Meistertitel 2008. Letzter Cupsieg gar 1995. Am Samstag geht das Abstiegsplayoff weiter. Bonjour tristesse.

 

Das Spiel:

Die Fans wollten. Über 20.000 Rapidler haben die Reise nach Klagenfurt auf sich genommen. Gänsehautstimmung.

Auch die Mannschaft wollte. Konnte aber nicht. Dabei waren die ersten 35 Minuten durchaus ansehnlich. Rapid macht das Spiel. Ist optisch überlegen. Hat mehr Ballbesitz. Torchancen springen nicht heraus.

Dann Minute 37. Außenverteidiger Mert Müldür lässt Patrick Farkas viel Raum. Thomas Murg fühlt sich von jeglichen Defensivaufgaben entbunden. Mario Sonnleitner und Srdjan Grahovac für Munas Dabbur nicht zuständig. Einen Doppelpass später kommt der lange Zeit verletzte Außenverteidiger der Salzburger zum Abschluss. Ein guter Torwart in Hochform hält den Ball. Ein guter Torhüter in Normalform auch. Davon ist Richard Strebinger derzeit weit entfernt.

Rapid reagiert geschockt. Nicht einmal 2 Minuten später gar nicht. Abermals ist die rechte Defensivseite überfordert. Zlatko Junuzovic kann unbedrängt flanken. Munas Dabbur enteilt Mario Sonnleitner und köpfelt locker ein.

Nach einem weiteren Torwartfehler hätte Fredrik Gulbrandsen bereits für die Entscheidung sorgen können.

In der Nachspielzeit schubst Innenverteidiger Ramalho sein Pendant Mario Sonnleitner im Strafraum. Zu wenig für Schiedsrichter Manuel Schüttengruber. Ein Aufreger.

In Halbzeit 2 verwaltet Salzburg. Und lauert auf Konter. Oder auf einen weiteren Geniestreich von Munas Dabbur. Seinen Fallrückzieher nach einem Eckball bewundern die Rapidler aus der Distanz. Man möchte ja nicht stören. Richard Strebinger macht seinen Körper breit genug.

Rapid ist ungefährlich. Mit dem Fuß. Per Kopf probiert Mert Müldür sein Glück nach Flanke von Thomas Murg. Die Latte verhindert den Jubelschrei aus 20.000 Kehlen.

Christoph Knasmüllner ersetzt Dejan Ljubicic nach 64 Minuten. Das soll mehr Offensive signalisieren.

6 Minuten später kommt mit Aliou Badji ein zweiter Stürmer. Nein, er verhilft Andrija Pavlovic zur vorzeitigen Dusche. Kein sehr origineller Wechsel.

Kurz vor Beginn der Rapidviertelstunde schubst Christoph Knasmüllner Innenverteidiger Ramalho im Strafraum. Zu viel für Schiedsrichter Manuel Schüttengruber. Das Kopfballtor von Mario Sonnleitner zählt nicht. Ein Aufreger.

Patson Daka könnte die Partie vorentscheiden. Er tut es nicht.

Wenig später ärgert sich Patrick Farkas über Manuel Schüttengruber. Und schreit. Der Referee schreit nicht. Er zeigt. Das zweite Mal Gelb für den Torschützen.

In Minute 86 endet der Arbeitstag von Mario Sonnleitner. Andrei Ivan kommt. Zu keiner Chance mehr.

Für eine Schlussoffensive reicht es nicht mehr. Die Salzburger spulen die letzten Minuten gekonnt runter. Aus der Traum.

 

Doch noch Europacup?

Rapid Wien muss sich für das Europacupplayoff qualifizieren. Dafür brauchen die Hütteldorfer im Abstiegsplayoff zumindest Platz 2. Dann empfängt sie der Erste des Playoffs in einem Entscheidungsspiel. Besser wäre es natürlich selbst das Abstiegsplayoff zu „gewinnen“. Und den Zweiten in einem – hoffentlich – ausverkauften Weststadion zu fordern. Der Gewinner trifft in einem Hin- und Rückspiel auf den Fünften des Meisterplayoffs.

Bereits am Samstag geht es in der Südstadt weiter. Da muss Rapid den ersten Platz im unteren Playoff absichern. 4 Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf SV Mattersburg 2 Punkte. 6 Zähler sind es auf SCR Altach. Am Samstag empfangen die Burgenländer die Vorarlberger.

 

Notwendige Weichenstellungen:

Erst am 02. Juni wissen wir, ob Rapid Wien nächstes Jahr international spielt. Das hat Auswirkungen auf den Kader. Ohne Europa wird er 23 Spieler umfassen, mit Europa 25.

Der sympathische Geschäftsführer Sport Fredy Bickel wird zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Sportdirektor sein und die Personalentscheidungen treffen. Daher drängt es, einen neuen Verantwortlichen zu finden und zu installieren. Das hängt aber auch vom Nachfolger von Präsident Michael Krammer ab. Die Neuwahl findet erst im November dieses Jahres statt. Ein Vakuum das so schnell wie möglich geschlossen gehört.

 

Kaderplanung:

Bis auf Leihspieler Andrei Ivan sind alle Spieler bis mindestens Sommer 2020 an den Verein gebunden. Dazu kommen noch die verliehenen Albin Gashi und Kelvin Arase (beide SV Horn), Denis Bosnjak und Alex Sobczyk (beide FAC) zurück, die allesamt keinen großen Entwicklungsschritt gemacht haben dürften. Ergibt 28 Spieler.

Prinzipiell ist nicht zu erwarten, dass dieser Kader mit 1-2 Verstärkungen zurück in die Spur findet und Rapid zu einem Titelanwärter macht.

Trainer Didi Kühbauer muss eine Liste zusammenstellen, mit welchen Spielern er nächstes Jahr unbedingt zusammenarbeiten möchte. Dem Rest kann man getrost ein Preisschild verpassen. Tabus bei Namen darf es keine geben. Schon in dieser Saison hatte man bei einigen Spielern das Gefühl, dass sie zu wenig bei der Sache sind. Wenn wer den geforderten Preis bezahlen möchte, dann bitteschön.

Oder aber selbst Geld in die Hand nehmen und Spieler ausbezahlen. Besser ein Ende mit Schrecken.

Präsidentschaftskandidat Martin Bruckner hat bei der Hauptversammlung die Weiterentwicklung des Konzepts der Schwarzen Null angekündigt und erläutert: Möglicher Rapid-Präsident Martin Bruckner bei der ordentlichen Hauptversammlung.

Was das wert ist, wird die kommende Transferperiode zeigen.

Wichtig ist, dass neue Spieler rechtzeitig verpflichtet werden. Vor dem Start in die Vorbereitung der neuen Saison. Zur Not auch schon bevor es Verkäufe und lukrative Einnahmen gibt. Damit Trainer Didi Kühbauer seine Ideen der gesamten Mannschaft einimpfen und am besten auch noch weitere Spielsysteme einüben kann. Rapids ewiges 4-2-3-1 kann keinen Gegner mehr überraschen. Gegen Salzburg war die Mannschaft einzig per Kopf aus Standards und einer Flanke gefährlich. Das ist zu wenig.

Letztendlich muss bei Rapid Wien aber auch endlich einmal Ruhe einkehren. Ein frommer Wunsch.

 

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