Cup-Viertelfinale: Rapid Wien vs. TSV Hartberg – die Spielvorschau

Rapid Wien gegen TSV Hartberg, ÖFB Cup, Spielvorschau

Gelingt Rapid Wien der Aufstieg in das Cuphalbfinale? Wie ist die Ausgangslage? Was sagt Trainer Didi Kühbauer vor dem Spiel?

 

Ausgangssituation:

Rapid Wien:

Der Monat der Wahrheit hat für den SK Rapid Wien mit der zu erwartenden Niederlage gegen das Starensemble von Inter Mailand begonnen. Defensiv war die Mannschaft von Trainer Didi Kühbauer sehr gut eingestellt und hat kaum Torchancen zugelassen. Dafür ist vor allem in der ersten Halbzeit das Offensivspiel verkümmert. Bloß 29% Ballbesitz und kein einziger Schuss auf das gegnerische Tor hat vielen Fans nicht gefallen. Erst nachdem zwei offensive Spieler eingewechselt wurden, konnte auch Torgefahr erzeugt werden. Letztendlich war die Niederlage aufgrund des strittigen Elfmeters – Marvin Potzmann wurde bereits vor dem Elfmeterfoul von Manuel Thurnwald regelwidrig zu Fall gebracht – unglücklich, aber verdient. Einer einzigen echten Torchance der Hütteldorfer stand ein klares Chancenplus der Nerazzurri gegenüber. Trotzdem ist eine Überraschung im Giuseppe-Meazza-Stadion am kommenden Donnerstag nicht vollkommen ausgeschlossen.

Die Qualifikation für das Meisterplayoff erscheint schwierig. In nur noch vier Spielen müssen sechs Punkte auf Platz 6 wettgemacht werden. Zudem ist auch noch das Torverhältnis deutlich schlechter. Nach dem Schlagerspiel gegen RB Salzburg am nächsten Sonntag weiß man mehr. Gelingt es nicht, den Salzburgern die erste Meisterschaftsniederlage zuzufügen, ist der Zug abgefahren.

Bleibt somit als größte Chance für eine internationale Teilnahme in der Saison 2019/20 der Cupbewerb. Behalten die Hütteldorfer in den kommenden drei Spielen die Oberhand, wird nicht nur eine elfjährige titellose Durststrecke beendet – der letzte Cupsieg datiert sogar aus dem Jahr 1995 -, sondern die direkte Qualifikation für die nächste Europa League-Gruppenphase erreicht. Anstatt mühsamer englischer Wochen Planungssicherheit durch die zu budgetierenden Millioneneinnahmen.

Sollte die Hürde TSV Hartberg genommen werden, warten im Halbfinale entweder der gestern gegen SKN St. Pölten fulminante LASK, vermutlich RB Salzburg (heute zu Gast bei Zweitligist SC Wiener Neustadt) oder überraschend der GAK, der dafür gesorgt hat, dass im Finale in der Generali-Arena im Heimsektor kein violett zu sehen sein wird.

 

TSV Hartberg

Nach Siegen beim SV Grödig, gegen WSG Wattens und FC Wacker Innsbruck steht der TSV Hartberg im Viertelfinale und möchte nach 1994/95 und 2011/12 zum dritten Mal in das Cupsemifinale einziehen.

Als Abstiegskandidat Nummer 1 in die Saison gestartet, haben die Oststeirer bisher für Furore gesorgt. Das musste auch der österreichische Rekordmeister bei seiner deutlichen 0:3-Niederlage im Auswärtsspiel zur Kenntnis nehmen.

Die Winterpause ist nicht optimal verlaufen. Der Leihvertrag mit dem starken Youba Diarra wurde wegen seines Kreuzbandrisses aufgelöst und Sturm Graz beorderte den überragenden Ivan Ljubic vorzeitig zurück in die steirische Landeshauptstadt. Der Abgang des 20jährigen Stürmers Marcel Holzer wird vermutlich keine große Lücke hinterlassen.

Dafür wurde in die Kaderbreite investiert. Peter Tschernegg konnte vom FC St. Gallen engagiert werden, wo er bloß viermal in der Startelf stehen durfte. Beim SV Grödig und hernach beim WAC war er dafür Stammspieler und kennt die österreichische Liga sehr gut. Mohamed Camara wurde vom FC Liefering ausgeliehen, ist aber verletzt. Ebenfalls aus der zweiten Liga kommen David Cancola und Reuben Acquah. Um Spielpraxis zu erhalten konnte von TSG Hoffenheim II der 20jährige Stürmer Meris Skenderovic ausgeliehen werden, der sowohl Spiele für deutsche Nachwuchsauswahlen als auch für die montenegrinische U21 in den Beinen hat.

 

Rapids Personalsituation:

Mit einer ähnlichen Defensivtaktik wie gegen Inter Mailand wird das Trainerteam wohl nicht aufwarten.

Neben dem Langzeitverletzten Tamás Szántó wird weiter an einer Leihvariante für Ivan Mocinic gebastelt und die Spielgenehmigung für Neuzugang Aliou Badji scheint immer noch auszustehen. Dejan Ljubicic sitzt seine Rotsperre ab.

 

Tor:

Mit dem Fuß hat Torhüter Richard Strebinger an seinem Geburtstag Schwächen offenbart und auch bei Flanken hat er Unsicherheiten gezeigt. An seinem Einsatz bestehen dennoch keine Zweifel. Tobias Knoflach wird die Ersatzbank hüten, Paul Gartler auf der Tribüne sitzen.

 

Innenverteidigung:

Mario Sonnleitner wusste gegen Inter Mailand zu gefallen und war der beste Rapidler am Platz. Auch sein Nebenmann Maximilan Hofmann hat eine starke Leistung gezeigt. Mateo Barac darf sich Chancen für die Ersatzbank ausrechnen, da Christopher Dibon verletzt ausfällt.

 

Außenverteidigung:

Boli Bolingoli konnte gegen die Italiener defensiv überzeugen, mit seinen offensiven Fähigkeiten hat er gegeizt. Vor allem seine Flanken sind überhaupt nicht angekommen. Marvin Potzmann hatte mit Vizeweltmeister Ivan Perisic zu kämpfen und hat seine Aufgabe recht gut erledigt. Seine Stärken in der Offensive musste er sich für die zweite Halbzeit aufheben. Stephan Auer und Mert Müldür sind in den Vorbereitungsspielen auch zu etlichen Einsatzminuten gekommen und zumindest einer könnte in die Startelf rotiert werden.

 

Zentrales Mittelfeld:

Srdjan Grahovac als Sechser, Stefan Schwab als Achter und Christoph Knasmüllner als Zehner wären die planmäßigen Spieler auf ihren Positionen. Manuel Martic wäre der defensive Backup, Thomas Murg die Alternative auf der Zehn.

 

Flügel:

Links ist Andrei Ivan gesetzt, rechts kämpfen Philipp Schobesberger, Thomas Murg, Veton Berisha und Manuel Thurnwald um den Startplatz. Die beiden Erstgenannten bringen mehr spielerische Qualität, die beiden Letztgenannten dürften in der Wintervorbereitung überzeugt haben.

 

Sturm:

Andrija Pavlovic und Deni Alar haben es gegen Inter Mailand nicht einmal auf die Ersatzbank geschafft. Veton Berisha war als Solospitze zwar bemüht, aber ohne Wirkung. Dass Aliou Badji noch rechtzeitig die Spielgenehmigung erhält, ist nicht zu erwarten. Wer von den Kandidaten die Solospitze geben darf, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen.

 

TSV Hartberg 2018/19:

Für die Oststeirer geht es nicht nur nicht gegen den Abstieg, sondern sie liegen in der Tabelle unmittelbar vor dem SK Rapid und liebäugeln mit dem Meisterplayoff. Auch im Cupbewerb steht der Aufsteiger souverän im Viertelfinale.

Obwohl die Mannschaft von Trainer Markus Schopp erst sehr spät zusammengestellt werden konnte, hat der 44jährige innerhalb kürzester Zeit ein Erfolgsteam aufgebaut. Neben 13 Punkten daheim konnten auch starke 10 Zähler auswärts gesammelt werden, womit die Hartberger in beiden Wertungen vor den Wienern liegen.

Die Steirer versuchen einerseits das Spiel von hinten aufzuziehen, wobei sie fehleranfällig sind und andererseits über schnelles Umschaltspiel zum Erfolg zu kommen. Das beherrschen sie ausgezeichnet, wie Rapid in der Profertil Arena zur Kenntnis nehmen musste.

Der für diesen Spielstil wichtigste Akteur ist Rajko Rep, der mit 6 Meisterschaftstoren und 6 Vorlagen bereits 12 Scorerpunkte gesammelt hat. Florian Flecker (5 Tore/4 Vorlagen) und Dario Tadic (4/2) folgen auf den Plätzen.

Mohamed Camara fällt verletzt aus.

 

Bilanz:

In der Saison 2010/11 blieben die Hütteldorfer daheim im Cupachtelfinale mit 3:0 siegreich. Zweimal Hamdi Salihi und einmal Atdhe Nuhiu sorgten für einen klaren Sieg gegen den damaligen Zweitligisten.

In der 11. Runde der heurigen Meisterschaft kam der SK Rapid in Hartberg unter die Räder. Florian Sittsam und Dario Tadic sorgten für die schnelle Führung, Florian Flecker setzte in der zweiten Halbzeit das 3:0 drauf.

 

Stimmen vor dem Spiel:

Didi Kühbauer: „Wir haben die Möglichkeit, uns über den Cup europäisch zu qualifizieren. Dadurch ist es für uns ein wichtiges Spiel und eine komplett andere Ausgangssituation als gegen Inter. Wir werden das Spiel dominieren und sehr viel Ballbesitz haben. Wir haben aber bei Inter gesehen, dass Ballbesitz nicht Chancen im Minutentakt bedeutet. Wir müssen gut ins letzte Drittel reinkommen, uns Chancen erarbeiten und wir gehen davon aus, dass der Gegner nicht großartig mitspielen wird, sondern eher sein Heil im Konter suchen wird. Da müssen wir vorsichtig sein. Wichtig ist, dass wir im Spiel nach vorne unsere Chancen, die wir kreieren, zu Torabschlüssen und Toren nützen. Es wird definitiv rotiert.

Stefan Schwab: „Es war schön zu sehen, dass wir mit so einer Mannschaft (Inter Mailand, Anm.) mithalten können. Hartberg hat im Herbst einen guten Fußball gezeigt. Sie haben versucht nach vorne zu spielen, sie haben auch versucht über Kombinationen zu kommen, wobei sie uns bei der 0:3-Niederlage mit Konter erwischt haben. Wir haben ein Heimspiel und müssen uns auf uns fokussieren. Wir werden das Spiel dominieren.

 

Ausblick:

Alles andere als ein Sieg wäre für Rapid Wien eine herbe Enttäuschung und würde die Hoffnungen auf ein internationales Auftreten in der kommenden Saison weiter schmälern.

Dafür muss jedoch deutlich mehr Risiko als im Sechzehntelfinale gegen Inter Mailand genommen werden. Weniger geht aber auch kaum. Häufig wurde nach Enttäuschungen im Herbst auf die Winterpause verwiesen und dass die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen würde. Davon war weder bei den Vorbereitungsspielen noch gegen die Italiener viel zu sehen. Die Sorgenkinder des letzten Halbjahres wirken entweder kaum verbessert oder dürfen gleich gar nicht spielen. Dafür werden Spieler forciert, deren Gunst bei den Rapidfans überschaubar ist und die zu limitiert erscheinen. Die Mannschaft ist gefordert und muss nun endlich ihr wahres Gesicht zeigen.

Aber auch die Fans dürfen nicht auslassen und jeder Rapidlerin und jedem Rapidler muss die Bedeutung dieses Spiels klar sein. Ein halbleeres Weststadion wäre eine Enttäuschung. Zumal der Ticketpreis mit 12€ für Mitglieder und Abonnenten wirklich günstig ist.

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