Cup-Viertelfinale: Rapid Wien vs. TSV Hartberg – die Match-Analyse

Rapid - Hartberg, Matchbericht
Rapid demoliert im Cup-Viertelfinale TSV Hartberg mit 5:2! Wie war die Leistung des österreichischen Rekordmeisters? War das schon Didi Kühbauers Handschrift? Welcher Spieler konnte sich empfehlen?

 

Rapid Wien – TSV Hartberg – die Aufstellungen:

Rapid Wien:

Pavlovic

Ivan     Knasmüllner    Murg

Schwab   Martic

Bolingoli   Hofmann   Sonnleitner   Auer

Strebinger

Ersatz: Knoflach, Müldür, Potzmann, Grahovac, Alar, Berisha, Ivan.

 

TSV Hartberg:

Tadic

Kröpfl       Rep       Flecker

Tschernegg   Sittsam

Rasswalder  Siegl   Huber   Blauensteiner

Swete

Ersatz: Faist, Rotter, Ilic, Kainz, Cancola, Sanogo, Skenderovic

 

Rapid Wien im 4-2-3-1 geplant – als 4-1-4-1 umgesetzt:

Wie bereits vorab angekündigt, rotiert Trainer Didi Kühbauer kräftig und nominiert Stephan Auer, Manuel Martic, Thomas Murg, Christoph Knasmüllner, Philipp Schobesberger und Andrija Pavlovic für die Startelf. Auf der Ersatzbank nehmen Marvin Potzmann, Srdjan Grahovac, Andrei Ivan und Veton Berisha Platz, auf der Tribüne Manuel Thurnwald und der gesperrte Dejan Ljubicic.

Im Gegensatz zur sehr defensiven Aufstellung gegen Inter Mailand ist im Heimspiel gegen den Aufsteiger die Offensive wieder prominent besetzt.

Vor der hochstehenden Abwehrviererkette mimt Manuel Martic den Solosechser und hält Kapitän Stefan Schwab den Rücken für offensivere Aufgaben frei.

 

TSV Hartberg im 4-2-3-1 geplant – als 4-4-1-1 umgesetzt:

Der 44jährige Fußballlehrer Markus Schopp setzt auf 2 Viererketten, davor soll Rajko Rep bei Balleroberungen das Umschaltspiel forcieren und an vorderster Front Dario Tadic die Rapidverteidiger beschäftigen.

 

Spielverlauf:

Vor spärlicher Kulisse – bloß 12.700 Fans, dabei ist der Auswärtssektor sogar sehr gut besetzt, sind in das Weststadion gepilgert – übernehmen die Hütteldorfer sofort das Kommando.

Die Steirer stehen überraschend tief, lassen den Rekordmeister kommen und versuchen kompakt zu stehen.

Ist Rapid Wien am Ball können die beiden Innenverteidiger in der eigenen Hälfte weit aufrücken. Als alleiniger Sechser und mögliche Passschaltzentrale positioniert sich Manuel Martic davor. Auch die Außenverteidiger rücken an der Grundlinie bis in die gegnerische Hälfte auf. Wie schon oft zuvor weicht Kapitän Stefan Schwab häufig auf den linken Flügel aus und schaltet sich in den Spielaufbau ein.

Gelingt den Gästen ein geregelter Spielaufbau formieren sich die Wiener wie am Donnerstag in einem 4-4-1-1. Dadurch kann die Heimmannschaft bereits im Mittelfeld viele Bälle gewinnen, die Verarbeitung ist aber in der ersten halben Stunde mangelhaft und oft zu überhastet.

Baut die Mannschaft des SK Rapid das Spiel auf, wird auf Ballbesitz, Ballstafetten und Flügelspiel gesetzt. Mit weiten Spielverlagerungen soll die Lücke im Defensivverbund gefunden werden. Im Gegensatz zu den schwachen Flanken gegen die Italiener versucht der linke Außenverteidiger Boli Bolingoli mit scharfen und flachen Hereingaben in den Strafraum sein Glück, findet jedoch den eigenen Mitspieler nicht. Das liegt auch daran, dass Stürmer Andrija Pavlovic in den ersten 30 Minuten zwar sehr aktiv und überall auf dem Platz zu finden ist, aber sein eigentliches Jagdrevier – den Strafraum – vernachlässigt. Ein Leiden, das wir im Herbst nur allzu oft gesehen haben.

Nach 30 Minuten nimmt die Partie an Fahrt auf. Die erste Torchance durch Boli Bolingoli entsteht noch eher zufällig. Eine Minute später wird Philipp Schobesberger nach einem Stanglpass von Thomas Murg gerade noch geblockt und wieder nur zwei Minuten vergehen, bis Thomas Murg nach herrlichem Solo in Torhüter Rene Swete – vorerst – seinen Meister findet. Auch beim anschließenden Eckball gelingt der Torabschluss durch Mario Sonnleitner.

In Minute 42 ist es dann so weit. Der rechte Außenverteidiger Stephan Auer antizipiert hervorragend und luchst Rajko Rep den Ball ab. Ein weiter Pass zu Andrija Pavlovic, eine direkte Weiterleitung in den Lauf des zuvor über den Ball gestiegenen Thomas Murg und der 24jährige Voitsberger lässt sich die Chance zur Führung nicht entgehen.

 

Pausenstatistik:

Ballbesitz: 57:43%

Torschüsse: 7:3

Auf das Tor: 5:2

Die zweite Halbzeit ist erst wenige Sekunden alt, da gibt Philipp Schobesberger bereits den nächsten Torschuss ab und zeigt, dass Rapid den Vorsprung nicht bloß verwalten möchte, sondern die Vorentscheidung sucht – und die lässt nicht lange auf sich warten.

In der 50. Spielminute erobert Philipp Schobesberger knapp außerhalb des gegnerischen Strafraums die Kugel von Michael Blauensteiner und einen Doppelpass später führt der SK Rapid mit 2:0. Andrija Pavlovic hat seinen dritten Treffer im laufenden Cupbewerb erzielt.

Der Torschrei aus fast 12.000 Kehlen ist kaum verstummt, da nickt Innenverteidiger Maximilian Hofmann nach einer Flanke von Thomas Murg zum 3:0 ein.

Die Rapidler sind weiter sehr aktiv und versuchen die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Ein Lupfer geht knapp am Tor vorbei, ein Volley an die Außenstange und ein Abseitstor wird aberkannt.

Kurz nach einem Doppeltausch bringt Sechser Manuel Martic die Gäste mit einem unnötigen Eigentor wieder ins Spiel zurück. Allerdings nur kurz, da Andrija Pavlovic mit einem Kopfballheber den 3 Tore-Vorsprung wieder herstellen kann.

Die Gäste geben aber nicht auf und erzielen in Minute 82 abermals den Anschlusstreffer. Bis zur endgültigen Entscheidung durch Thomas Murg in der Nachspielzeit drücken die Oststeirer die Hütteldorfer tief in ihre eigene Hälfte hinein und versuchen noch das Unmögliche möglich zu machen. Erst mit dem fünften Tor ist die Gegenwehr gebrochen.

 

Spielstatistik:

Ballbesitz: 53:47%

Torschüsse: 15:11

Auf das Tor: 11:5

 

Wichtigste Spielszenen:

30. Minute: Chance für Rapid:

Nach einer Flanke von Stephan Auer kann der Kopfballversuch von Stefan Schwab geblockt werden. Das Kunstleder landet bei Christoph Knasmüllner, seine perfekte Auflage in Richtung Strafraumgrenze jagt Boli Bolingoli weit über das Tor.

 

31. Minute: Chance für Rapid:

Bei einem Stanglpass von Thomas Murg nach hohem Ballgewinn kann der Hartberger Außenverteidiger Michael Blauensteiner den Rapidler Philipp Schobesberger gerade noch am Abschluss hindern.

 

33. Minute: Chance für Rapid:

Der Kapitän erobert den Ball in der eigenen Hälfte und passt zu Thomas Murg. Der Mittelfeldspieler setzt zu einem Solo an, dribbelt bis knapp vor den gegnerischen Strafraum und zieht ab. Torhüter Rene Swete taucht rechtzeitig ab und bändigt den strammen Schuss ins Torout.

 

42. Minute: TOR für Rapid:

Außenverteidiger Stephan Auer antizipiert sehr gut und nimmt Rajko Rep in der gegnerischen Hälfte an der Grundlinie den Ball ab. Seinen Pass in Richtung Mitte lässt Thomas Murg passieren, Andrija Pavlovic verarbeitet gekonnt in den Lauf der Nummer 10 und Thomas Murg vollendet überlegt – 1:0!

 

50. Minute: TOR für Rapid:

Knapp außerhalb des Strafraums pressen Philipp Schobesberger und Andrija Pavlovic Außenverteidiger Michael Blauensteiner an und erobern den Ball. Der Stürmer spielt auf den linken Flügel, Philipp Schobesberger läuft im Strafraum weiter und spielt quer zurück zu Andrija Pavlovic, der im Rutschen das Runde ins Eckige befördert – 2:0!

 

52. Minute: TOR für Rapid:

Eckball von Thomas Murg. Der erste Versuch Richtung kurzes Eck wird von Manuel Martic zurück zum Absender geschickt. Ein Haken reicht, um Rajko Rep auszuspielen und bei der Flanke Richtung langes Eck setzt sich Maximilian Hofmann gegen Siegfried Rasswalder durch und köpft zum 3:0!

 

56. Minute: Chance für Hartberg:

Eine Flanke des eingewechselten Zakaria Sanogo wird immer länger. Torwart Richard Strebinger macht sich lang und erwischt den Ball noch mit den Fingerspitzen. Auch den Kopfball des dahinter lauernden Dario Tadic wehrt der Torhüter zum Eckball ab.

 

61. Minute: Chance für Rapid:

Andrija Pavlovic verlagert den Ball auf die linke Seite zu Boli Bolingoli. Der Belgier spielt in den Lauf seines Vordermannes Philipp Schobesberger, dessen Lupfer knapp am langen Eck vorbei geht.

 

66. Minute: Chance für Rapid:

Schöner Angriff über Thomas Murg und Christoph Knasmüllner, der Stephan Auer am rechten Flügel frei spielt. Seine Flanke kann Andrija Pavlovic nicht drücken, der Ball fliegt Richtung langes Eck, wo Stefan Schwab den Ball volley auf das Tor bringt. Rene Swete wehrt den Ball an die Außenstange ab und bewahrt sein Team vor einem weiteren Gegentreffer.

 

67. Minute: Abseitstor Rapid:

Schneller Angriff über die linke Seite. Philipp Schobesberger spielt in den Lauf von Stefan Schwab, der Kapitän perfekt zu Andrija Pavlovic und der Serbe erhöht vermeintlich auf 4:0. An der Abseitsentscheidung gibt es jedoch nichts zu rütteln.

 

69. Minute: Tor für Hartberg:

Bei einem Abwehrversuch prallt Manuel Martic mit Mitspieler Mert Müldür und Gegenspieler Rajko Rep zusammen und scheint kurz benommen. Die anschließende ungefährliche Flanke von Michael Blauensteiner möchte der 1,93 m große Spieler klären, sein Versuch landet jedoch im eigenen Netz – 3:1.

 

74. Minute: TOR für Rapid:

Andrija Pavlovic spielt perfekt auf den linken Flügel zum eingewechselten Andrei Ivan. Der Rumäne zieht in den Strafraum, spielt das Leder zurück zum knapp innerhalb der Strafraumgrenze postierten Stephan Auer und der 28jährige flankt in die Mitte. Andrija Pavlovic setzt sich im Kopfballduell gegen Philipp Siegl durch und überhebt den Torhüter der Hartberger – 4:1!

 

82. Minute: Tor für Hartberg:

Rajko Rep kann von Manuel Martic nicht gestört werden und der Slowene leitet einen Angriff ein. Über 2 Stationen landet der Ball wieder bei Hartbergs Nummer 9 und seine Hereingabe verwertet Siegfried Rasswalder zum 4:2.

 

91. Minute: TOR für Rapid:

Entlastungsangriff über die linke Seite. Deni Alar spielt quer zu Christoph Knasmüllner und der Wiener weiter zu Thomas Murg. Der eingewechselte Christian Ilic steht zu weit weg und mittels Kunstschuss schnürt auch Thomas Murg seinen Doppelpack – 5:2!

 

Was war gut?

Fünf Tore in einem Spiel können sich sehen lassen und sind Balsam für die im Herbst schwächelnde Offensivabteilung. Auch nach dem dritten Treffer wurde konsequent weiter nach vorne gespielt. Die beiden Gegentreffer waren zwar ärgerlich, Rapid hat aber jeweils die richtige Antwort gegeben.

Antizipieren und schnelles Umschaltspiel. Zu oft wurde im Herbst nach Ballgewinn selbst in der gegnerischen Hälfte das Spiel verschleppt und gewartet, bis sich der Gegner wieder sortiert hat.

2 Tore nach hohen Balleroberungen und anschließendem schnellen Umschalten. Ein Treffer nach einem Standard, ein weiterer Kopfballtreffer nach einer perfekten Flanke und zum Abschluss noch ein Kunstschuss. Das ist für einen Gegner schwer zu verteidigen.

Nach der Führung hat die Mannschaft befreit aufgespielt. Die Bewegung ohne Ball in den Zwischenlinien hat Anfang bis Mitte der zweiten Halbzeit sehr gut geklappt.

Die Mannschaft war giftig und hochmotiviert. Teilweise hat es gewirkt, als wollte man die Hartberger mit Haut und Haaren fressen. Das wollen die Fans sehen.

 

Was war nicht gut?

Rapid war zwar in den ersten 30 Minuten dominant, eine Torchance konnte jedoch nicht herausgespielt werden.

Die beiden Gegentore sind ärgerlich. Das Eigentor war ein individueller Fehler, beim 4:2 hat die komplette Defensive gepatzt.

In den letzten 10 Minuten hat die Mannschaft gewackelt. Fällt das 4:3, beginnt das große Zittern und man hätte sich um die Früchte harter Arbeit bringen können.

 

Fazit und Ausblick?

Hat man in den beiden Spielen die Handschrift des Trainers gesehen?

Das Europa League-Spiel gegen die Nerazzurri hat gezeigt, dass die Mannschaft von Rapid Wien auch Beton anrühren und defensiv stabil stehen kann. Gegen TSV Hartberg durfte nun auch die Offensive ihr Können zeigen. Für die kommenden Aufgaben muss die richtige Balance gefunden werden.

Fünf erfolgreiche Abschlüsse sollten Selbstvertrauen geben. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Hartberger schon in den letzten vier Pflichtspielen vor der Winterpause 15 Gegentreffer einstecken mussten. Und auch in der Vorbereitung wirkte die Verteidigung nicht immer sattelfest. Ivan Ljubic geht ab.

Am Donnerstag ist Rapid im Giuseppe Meazza-Stadion krasser Außenseiter, aber komplett abschreiben sollte man die Partie nicht.

Am Sonntag beginnt dann – hoffentlich – der große Showdown um das Meisterplayoff. Nur mit einem Sieg gegen die so überlegenen Salzburger dürfen sich die Fans noch Hoffnungen machen.

In der Auslosung für das Cup-Halbfinale hat es Losfee Werner Gregoritsch nicht unbedingt gut mit Rapid Wien gemeint. Auswärts gegen den starken LASK bedarf es wohl eines enormen Kraft- und Willensaktes, um das Finale zu erreichen.

 

Spielerbewertung:

Richard Strebinger:

Eine fehlerlose Leistung des Torhüters.

Mario Sonnleitner:

Wieder sehr stark und Leitwolf in der Innenverteidigung. Beim zweiten Gegentreffer hat er die Viererkette verlassen, um den ballführenden Spieler zu attackieren. Offensiv bei Standards auf der Suche nach seinem vierten Saisontor.

Maximilian Hofmann:

Harmoniert sehr gut mit Mario Sonnleitner. Wichtiges Kopfballtor. Beim zweiten Gegentreffer auch nicht ganz sicher.

Stephan Auer:

Erst rechter, dann linker Außenverteidiger. Vor dem ersten Tor sehr gut antizipiert und schnell weiterverarbeitet. Beim vierten Treffer mit einer perfekten Flanke direkt assistiert. Tolle Leistung des Routiniers.

Boli Bolingoli:

Gegenüber dem Donnerstagsmatch verbessert. Immer noch glücklos bei seinen – diesmal flachen – Hereingaben und an seiner Schusstechnik muss er noch feilen. Nach 68 Minuten war Schluss.

Manuel Martic:

In der ersten Halbzeit mit einem bösen Schnitzer und das Eigentor war nicht notwendig. Auch wenn er kurz zuvor einen Schlag ins Gesicht bekommen hat und deswegen unkonzentriert war. Eine etwas unglückliche Leistung.

Stefan Schwab:

Sehr fleißig und viel unterwegs.

Thomas Murg:

Das erste und das letzte Tor selbst erzielt, das mittlere aufgelegt. Hat sogar den gegnerischen Torhüter im Vollsprint attackiert. Offenbar bis in die Haarspitzen motiviert. So muss Thomas Murg!

Christoph Knasmüllner:

Zwar mit dem Assist zum fünften Treffer, aber insgesamt der schwächste offensive Akteur. Hat nicht so explosiv wie seine Kollegen gewirkt.

Philipp Schobesberger:

Ähnlich giftig wie Thomas Murg. Tolle Balleroberung und Vorlage zum 2:0. Durfte gleichzeitig mit Boli Bolingoli das Spielfeld Richtung Nasszelle verlassen.

Andrija Pavlovic:

In der Meisterschaft hapert es zwar noch, aber im Cupbewerb mit seinen Treffern drei und vier. In den ersten 30 Minuten noch zu wenig auf den Strafraum und den Abschluss fixiert, aber mit Fortdauer der Begegnung immer besser ins Spiel gekommen. Dazu noch der perfekte Assist zum wichtigen 1:0. Durfte sich kurz nach dem Einklatschen der Rapidviertelstunde seinen separaten Applaus abholen. Eigenwerbung für künftige Aufgaben!

 

Mert Müldür:

Statt Boli Bolingoli in das Spiel gekommen und hat die rechte Seite übernommen. Beim zweiten Gegentreffer langsamer als Siegfried Rasswalder, allerdings auch mit zwei Gegenspielern.

Andrei Ivan:

Ersatzmann für Philipp Schobesberger. Assist-Assistgeber des vierten Tores.

Deni Alar:

In den 15 Minuten Einsatzzeit konnte er nur wenig Akzente setzen. Wenn Aliou Badji die Spielberechtigung erhält, wird es nicht einfacher für den 29jährigen.

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