Cuphalbfinale LASK gg Rapid – eine Nachbetrachtung

Rapid wien gegen Lask

„Fußball ist einfach ein Scheiß-Spiel, wo man zeitweise in der Hölle ist und dann im Himmel“ hat Rapidlegende Ernst Dokupil 1997 nach einem denkwürdigen Europacupmatch bei 1860 München gemeint.

Das werden sich wohl auch einige Fans nach dem Cuphalbfinale zwischen dem LASK und Rapid Wien gedacht haben. Im ausverkauften, aber trotzdem nur mit 6.087 Fans gefüllten Waldstadion wird den Fans einiges geboten. Rassige Szenen, tolle Torchancen, 2 Stangenschüsse, 2 Ausschlüsse, 2 strittige Entscheidungen und 1 Elfmeterschießen haben nicht nur für einen interessanten Cupfight gesorgt, sondern auch Werbung für den in Österreich von den Fans so stiefmütterlich behandelten Bewerb gemacht. Doch der Reihe nach.

 

Linzer Übergewicht:

In den ersten 45 Minuten findet der SK Rapid kaum statt. Die Gastgeber sind in allen Belangen überlegen. Das mag auch der defensiven Ausrichtung von Trainer Didi Kühbauer geschuldet sein. Mert Müldür gibt an seinem 20. Geburtstag wieder den rechten Außenverteidiger, links ersetzt Stephan Auer den erkrankten Boli Bolingoli. Srdjan Grahovac und Dejan Ljubicic mimen die beiden 6er, Kapitän Stefan Schwab soll das Zentrum weiter stabilisieren und verdrängt Christoph Knasmüllner auf die Ersatzbank. Vorne stürmt Aliou Badji statt Andrija Pavlovic.

Mittels hoher Bälle möchten sich die Hütteldorfer dem starken Pressing der Linzer entziehen. Das gelingt nicht. Zudem fehlt in den Zweikämpfen die Aggressivität. Nach 10 Minuten klopft der überragende Thomas Goiginger erstmals an. 6 Minuten später trifft er. Obwohl die Rapidler mit 7 Feldspielern im Strafraum vertreten sind, kann sein Schuss nicht verhindert werden. Torhüter Richard Strebinger ist gegen den Aufsitzer machtlos.

4 Minuten später geht der Brasilianer Joao Victor am linken Flügel durch, seinen Schussversuch kann Richard Strebinger parieren, die anschließende Hereingabe setzt Reinhold Ranftl per Kopf am leeren Tor vorbei.

Nicht einmal zweimal dreht sich der Sekundenzeiger und auch die Hütteldorfer werden gefährlich – ein Kopfball von Stefan Schwab nach einer Freistoßflanke von Philipp Schobesberger verfehlt das Gehäuse der Linzer knapp.

3 Minuten vor der Pause hätte Thomas Goiginger beinahe einen Doppelpack geschnürt – Aluminium rettet für den chancenlosen Keeper.

Pausenstatistik:

54% Ballbesitz für die Linzer und 7:2 Torschüsse.

 

Rapid wird besser:

Kurz nach Wiederbeginn köpft Mert Müldür nach einem Eckball von Philipp Schobesberger und einer Kopfballvorlage von Maximilian Hofmann knapp über das Tor.

7 Minuten später funktioniert die umgekehrte Assistgebung besser. Eine Eckballflanke von Thomas Murg verlängert Mert Müldür zu Maximilian Hofmann und der Innenverteidiger muss den Ball nur noch über die Torlinie drücken.

 

Schiedsrichter Markus Hameter nicht:

Nach einer Stunde versucht der linke Außenverteidiger Stephan Auer im eigenen Strafraum eine Flanke mit dem Kopf zu klären. Der Ellbogen gehört allerdings nicht zum Kopf. Der Unparteiische hat zwar freie Sicht auf das Geschehen und steht in unmittelbarer Nähe, ahndet das klare Handspiel jedoch nicht.

In Minute 64 verhindert die Latte abermals einen Treffer der Gastgeber.

In der zweiten Minute der Nachspielzeit wird es hektisch. Tief in der Rapidhälfte senst der offenbar frustrierte Peter Michorl Flügelspieler Thomas Murg brutal um. Von hinten mit beiden Beinen gestreckt nach vorne. Man muss wohl Archive durchforsten, um eine klarere Rote Karte zu finden. Nicht für Schiedsrichter Markus Hameter. Er zückt fälschlicherweise den gelben Karton. Was er sich dabei gedacht hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Viel kann es nicht gewesen sein. Maximilian Hofmann reagiert auch nicht sehr schlau. Erst setzt es Gelb, dann glatt Rot. Die nächsten beiden Spiele im Abstiegsplayoff werden ohne ihn stattfinden.

 

Höchststrafe:

Na gut, ganz so schlimm wie Jürgen Kauz, der einst von Egon Coordes nach dem Ausschöpfen des Wechselkontingents vom Platz geholt wurde, erwischt es Christoph Knasmüllner nicht. Dennoch wird er sich vermutlich mehr als 26 Minuten Einsatzzeit erwartet haben. Der unter Didi Kühbauer kaum gebrauchte Mateo Barac soll nun stattdessen Rapid in Unterzahl ins Elfmeterschießen abräumen.

 

Überstunden:

Die Verlängerung ist nur wenige Sekunden alt, da kratzt Mert Müldür den Ball von der Torlinie. Bei einem Abseitstor fehlt den Linzern nur wenige Zentimeter auf die Führung. Die Gastgeber haben zwar 68% Ballbesitz, der entscheidende Treffer gelingt ihnen allerdings nicht mehr.

 

Kalter Fisch:

Im Elfmeterschießen kann sich kein Torhüter auszeichnen und einen Ball halten. Trotzdem kommt es zu einer Entscheidung, da gleich 3 Versuche am Gehäuse vorbeigeschossen werden. Auf Seiten der Linzer trifft es James Holland und Samuel Tetteh. Bei den Hütteldorfern Srdjan Grahovac. Ausgerechnet der vom Trainer geschasste Mateo Barac darf den letzten Elfmeter treten und versenkt den Ball souverän im Tor. Trainer Didi Kühbauer bezeichnet den Kroaten in der anschließenden Presssekonferenz als „kalt wie ein Fisch„. So kann Fußball auch.

 

Finale, aber wo?

Am 01. Mai trifft der österreichische Rekordmeister auf den FC Salzburg. Ausgerechnet am Verteilerkreis. Gewinnen die Rapidler das Finale bedeutet das nicht nur den ersten Cuptitel seit 1995 und den ersten Titel seit 2008, sondern auch die direkte Qualifikation für die Europa League. Keine mühsamen Qualifikationsrunden und Doppelbelastungen, sondern Planungssicherheit und Einnahmen in Millionenhöhe.

Laut einem gültigen Vertrag zwischen dem ÖFB und dem ehemaligen FK Magna soll das Finale in deren Stadion abgehalten werden. Eine nicht unproblematische Entscheidung. Der letzte Versuch vieler Rapidfans in das Stadion zu gelangen, endete im Desaster und wird vermutlich noch Gerichtsakten füllen. Aber auch die Interessenten des am Regionalligisten GAK gescheiterten Veranstalters haben keine allzu große Freude, dass ausgerechnet der deutlich erfolgreichere und in allen Belangen überlegene Konkurrent aus Wien ihr Stadion oder vielleicht sogar die Fantribüne in Beschlag nimmt. Und vielleicht etwas umdekoriert.

Alternativ haben sich mittlerweile das Happel-Stadion und das Wörthersee-Stadion angeboten. Der ÖFB hat allerdings bereits abgewunken und beharrt auf den geplanten Austragungsort.

 

Über Platz 8 in den Europacup?

Sollte der SK Rapid Cupsieger werden und das Abstiegsplayoff auf Platz 7 beenden, erbt der achtplatzierte Verein den Startplatz im Europacupplayoff. Möglich, dass die Plätze 1,2,3,7 und 8 Österreich nächstes Jahr international vertreten. Auch witzig. Aber wie sagte dereinst Ernst Dokupil? Genau.

 

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