Pro und Contra Bundesliga Geisterspiele: Was spricht dafür?

Pro und Contra Bundesliga Geisterspiele Dafür

Der Fußball kommt in Österreich langsam wieder ins Rollen. Sportminister Werner Kogler hat am 15. April 2020 bei einer Pressekonferenz angekündigt, dass die Politik die Weichen für die Wiederaufnahme des Fußballs – genauer genommen für den Herren Profifußball – stellen wird. Die Österreichische Fußball Bundesliga hat den Ball aufgenommen und sich bei der Bundesligakonferenz am 24. April auf ein Konzept geeinigt, das nun mit der Politik akkordiert wird. Wann und ob es auch mit der 2. Liga wieder weitergehen soll, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unbekannt.
 
So groß die Freude auf den ersten Blick sein mag, hat die Geschichte jedoch einen großen Haken. Es sind ausschließlich Geisterspiele erlaubt, sprich die Spiele finden ohne Zuschauer im Stadion statt. Dabei sind gerade die Fans – insbesondere beim SK Rapid Wien – ein wesentlicher Bestandteil. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog hat sich die Argumente für und gegen Geisterspiele angesehen.
 

Rapid Weststadion Bundesliga Geisterspiel pro und contra
Keine Rapidfans im Weststadion erlaubt Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Mit Geisterspielen die Saison 2019/20 beenden

Geisterspiele oder Sektorensperren waren bislang als Sanktionen bekannt und als Kollektivstrafe verpönt. Dass die Fans von den Spielen ausgeschlossen werden sollen, ist einerseits den Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona Pandemie geschuldet. Durch social distancing soll eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden. Auf der anderen Seite wird die Wiederaufnahme der Meisterschaft als wirtschaftlich unabdingbar für die Vereine begründet. Da mangels Fernseh- und Sponsorgelder die Liquidität und somit das Bestehen der Fußballvereine nicht gesichert werden kann.
 
In Österreich wird diese Sichtweise überraschenderweise kaum bis gar nicht hinterfragt. Wenn Spiele ohne Fans als einzige Antwort auf die Coronakrise ausgegeben wird, muss das wohl so stimmen. Selbst von der organisierten Fanszene* ist aktuell wenig zu vernehmen. Wirft man einen Blick über die Landesgrenzen hinweg, wird schnell klar, dass Geisterspiele nicht überall als das Heilmittel für den Fußball angesehen werden. Etwa die Fanszenen Deutschlands haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme dagegen ausgesprochen, dass der Profifußball in Deutschland wieder aufgenommen und ohne Zuschauer fortgesetzt wird.
 

Pro Geisterspiele in der österreichischen Bundesliga

Die Formulierung ist etwas irreführend. Selbstverständlich ist niemand für den Ausschluss der Fans aus den Stadien. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dass Fußball ohne Fans wenig erfreulich ist, wissen auch die Verantwortlichen. Jedoch geht die Gesundheit vor und bevor die Saison komplett abgebrochen wird, sind Geisterspiele das geringere Übel. Welche Argumente sprechen für die Fortführung der Bundesliga mit Geisterspielen – werfen wir einen Blick darauf.
 

Normalität

Österreich wird langsam wieder wachgeküsst. Nach den rigiden Maßnahmen um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, wird nun allmählich wieder einiges zurückgenommen respektive aufgelockert. Schritt für Schritt. Da ist es verständlich, wenn auch der österreichische Profifußball – zumindest die Bundesliga – allmählich wieder zum Meisterschaftsbetrieb zurückkehren kann. Der gesellschaftliche und psychologische Nutzen von Sport, insbesondere Fußball, darf nicht unterschätzt werden. Immerhin gilt der Fußball ja gemeinhin als die wichtigste Nebensache der Welt.
 

Echter Fußball statt Nostalgie

Als Rapidfan verbringt man viel Zeit in der Vergangenheit. Der letzte Meistertitel liegt Ewigkeiten zurück. Der letzte Cupsieg mehrere Ewigkeiten. Nach dem Gewinn des Atlantic Cup 2013 blieben Feierlichkeiten und ein Autokorso aus. So muss sich der Rapidfan oft mit Erinnerungen an vergangene große Spiele und Ereignisse trösten. „Der Weg ins Finale“ ist so ein Klassiker oder das Dosenschießen in Salzburg 2008 werden sich viele Rapidler in den vergangenen Wochen vermutlich nicht nur einmal angesehen haben.
 
Das könnte nun bald vorbei sein. Wenn der Bundesliga Fahrplan von der Bundesregierung abgesegnet wird, können wir in absehbarer Zeit den Rapidspielern wieder live auf die Beine sehen und in der Gegenwart zurückkehren. Zwar nur im TV, aber endlich kann man wieder über aktuelle Ereignisse diskutieren, sich über Tore freuen, Schiedsrichterentscheidungen ärgern und Gegentore betrauern. Der Fußball nimmt wieder eine aktive Rolle in unser aller Fanleben ein.
 

Wirtschaftlichkeit

Bei aller Romantik der Fans – der SK Rapid Wien ist auch ein wirtschaftliches Unternehmen und trägt viel Verantwortung. Es geht nicht nur um den Kader der Profispieler – die vermutlich finanzielle Einschränkungen größtenteils leichter verkraften. Rapid ist für eine Vielzahl von Arbeitsplätzen direkt (als Arbeitgeber) oder indirekt (Lieferanten, etc.) verantwortlich und muss somit mit Bedacht vorgehen. Gibt es keine Einnahmen, kann der Betrieb nicht auf dem selben Niveau erhalten werden. Im schlimmsten Fall könnten sogar österreichische Fußballvereine dank der finanziellen Einbußen in Konkurs gehen und verschwinden. Dies gilt es zu verhindern.
 
Rollt die Kugel in den heimischen Stadien wieder, sind zumindest die Fernsehgelder gesichert und auch Sponsoren werden wieder repräsentiert. Bis auf Salzburg ist wohl jeder Verein in Österreich darauf angewiesen.
 

Die Spieler

Das Kapital eines Sportlers ist sein Körper. Kann er nicht trainieren und sein Können zur Schau stellen, ist das dem Karriereverlauf wenig dienlich. Dann sinkt der – virtuelle – Marktwert. Das wirkt sich auch negativ auf künftige Transfererlöse aus. Zwar wurden die Spieler für die Zeit daheim mit individuellen Trainingsplänen ausgestattet – das Mannschaftstraining kann das jedoch nicht ersetzen. Endlich können die Profifußballer nun wieder ihrem Brotberuf nachgehen.
 

Die Saison bis 30. Juni 2020 abschließen

Dieses Ziel ist nicht in Stein gemeißelt, sondern wird vorerst einmal angestrebt. Abgesehen von dem Abschließen des Geschäftsjahres, damit Geschäftsberichte erstellt werden können, geht es auch um die Verträge der Spieler. Immerhin laufen spätestens mit 30. Juni 2020 jede Menge Verträge aus. Bei den zwölf Bundesligisten sind davon mehr als 70 Spieler betroffen – auch wenn Vereine teilweise Optionen für Vertragsverlängerungen ziehen können.
 
Beim SK Rapid Wien steht besonders die Personalie Stefan Schwab im Fokus der Fans und Medien. Mit 01. Juli 2020 ist der Kapitän nicht mehr an den Rekordmeister gebunden. Aber auch die Zukunft von Stephan Auer, Tobias Knoflach, Paul Gartler und Lion Schuster scheint aktuell noch ungewiss. Wie sich eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni 2020 hinaus auf auslaufende Spielerverträge auswirkt, scheint derzeit noch ungeklärt. Es könnten Fußballer ja nach einem ausgelaufenen Vertrag ligaintern zu einem Konkurrenten wechseln. Macht es dann überhaupt noch einen Sinn, den Profi gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber einzusetzen?
 

Fazit

Niemand wünscht sich Geisterspiele, aber in der aktuellen Situation gibt es gute Gründe dafür. Fußball hat einen wichtigen Platz in der Gesellschaft und wird zumindest die Bundesliga Meisterschaft wieder aufgenommen, ist das ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Normalität. Vielen Fans fehlt der Fußball und sie wollen endlich wieder Spiele sehen. Zudem fehlen den Vereinen ohne Matches die Einnahmen. Kann die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden, fließen die TV- und Sponsorgelder und der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen. Dann kann auch die Planung für die kommende Saison aufgenommen werden. Und auch für die Spieler ist es ein Segen, wenn sie endlich wieder dem runden Leder hinterherjagen dürfen.
 
In unserem nächsten Beitrag werden wir die Geisterspiele kritisch hinterfragen und Argumenten nachgehen, wieso Fußball nicht ohne Fans stattfinden sollte.
 
*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gab es noch kein Statement der österreichischen Fanszene. Am 28. April 2020 wurde eine Stellungnahme veröffentlicht. Nachzulesen hier.