Der Ballesterer brennt! Rapidler, wir können helfen.

Ballesterer brennt! GRÜN AUF WEISS Rapid Wien

In unserem letzten Blog Beitrag haben wir über die Forza Rapid Ausgabe 21 geschrieben. Auch in diesem Artikel wollen wir uns einem ähnlichen Thema widmen – dieses Mal ist es jedoch ein Hilferuf.
 
Wie vermutlich schon viele Rapidfans mitbekommen haben, befindet sich das Fußballmagazin Ballesterer in existenziellen Nöten. Das Periodikum, welches sich die offensive Erweiterung des Fußballhorizonts als Ziel gesetzt hat, braucht unser aller Hilfe. Insbesondere von uns Rapidlern. GRÜN AUF WEISS – der Rapid Blog möchte nicht tatenlos zusehen, wie ein Stück journalistische Fußballkultur verloren geht und hat sich gleich ein Abo zugelegt.
 

Der Ballesterer: Anerkanntes Fachmagazin

Was mit der ersten Ausgabe im März 2000 für 25 Schilling und 31 Seiten begonnen hat, ist schnell ein hochprofessionelles Fachmagazin geworden. Die 150. Ausgabe umfasst 82 Seiten und erfreut die Fußballfans wie üblich mit spannenden Hintergrundgeschichten und gut recherchierten Artikeln. Und auch der SK Rapid Wien kam in der zwanzigjährigen Geschichte nicht zu kurz. Okay, mehr könnte es immer sein, aber dafür gibt es ja auch Fanzines wie etwa Forza Rapid. Mit Hans Krankl, Gerhard Hanappi und Didi Kühbauer haben bislang drei verdiente Rapidler das Cover des Ballesterers geziert.
 
Der Ballesterer hat sich im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht und braucht keinen Vergleich mit anderen Fachmagazinen wie etwa 11 Freunde oder Zwölf zu scheuen. Bei der Veranstaltungsreihe „Club 2×11“ werden regelmäßig angeregte Diskussionen mit ausgewählten Fachleuten geführt.
 

Ballesterer brennt! GRÜN AUF WEISS Rapid Wien
Christian Felkel | GRÜN AUF WEISS

 

Kritischer und unabhängiger Journalismus seit 20 Jahren

Wofür steht der Ballesterer? Ich habe einen Blick in die allererste Ausgabe geworfen. In dem Erstlingswerk hat der damalige Herausgeber und Redakteur Reinhard Krennhuber wie folgt geschrieben:
 
„Ballesterer, Ausgabe eins. Grundsatzeditorial also. Der Ballesterer ist ein vereinsunabhängiges Fußballmagazin. Gegründet und herausgegeben, um das „Beautiful Game“ zu huldigen, die nichtexistente österreichische Fußballpresselandschaft zu beleben und eine Plattform zu schaffen, die sich mit Fananliegen beschäftigt.
 
Beweggründe? Der Fußball und seine Berichterstattung bewegen sich in eine Richtung, die wir nicht mittragen wollen. In der aktuellen Phase der extremen Kommerzialisierung definiert sich Fußball fast ausschließlich über geschäftliche Belange, die Aspekte der Faszination Fußball und die Anliegen der Fans treten in den Hintergrund. Transfersummen und Spielergehälter gehen an die Decke, sprengen diese und machen auch vor der nächsten nicht halt. Fernsehsender prügeln sich um TV-Rechte und liefern jedes erdenkliche Spiel ins Wohnzimmer. Sie machen den Wegbereiter für die elitären Wettbewerbe, die zwischen Konzernen ausgetragen werden und sorgen auch in Österreich für das Kleingeld, das den Erfolg sichern soll.
 
Zukunftsperspektiven? Ein Season-Ticket beim Pay-TV des FC Murdoch? Der Stadion-/Fußballplatzbesucher wird immer weniger wert und dementsprechend weniger ernst genommen. Die Identifikation zwischen Spielern und ihren Clubs beschränkt sich oft auf ein klassisches Arbeitsverhältnis (obwohl ein Anelka nicht als klassischer Hackler durchgeht), die Kluft zwischen Fans und Spielern vergrößert sich (bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an Borussia Dortmund). In den Medien – über die Fußball vorwiegend konsumiert wird – greift immer mehr eine Trivialisierung Platz, die die wahren Aspekte des „Beautiful Game“ missachtet. Das Image eines Fußballers definiert sich immer weniger über sein Auftreten auf dem Platz als darüber, was er abseits des Spielfelds macht. Auch hier gilt: Geschäft statt Leidenschaft, Tratsch lässt sich leichter an die Masse bringen, als die Feinheiten des Spiels – auf die es uns aber ankommt.
 
Der Ballesterer will diesen Feinheiten und den gesellschaftlichen Aspekten, die nicht vom Sport zu trennen sind, den notwendigen Platz einräumen. Die Fußballkultur – und mit ihr die Fankultur – soll intensiv abdiskutiert werden, der Faszination, die Fußball vor dem TV-Zeitalter populär gemacht hat, soll Ausdruck verliehen werden. Wir wollen weg vom oberflächlichen Seitenblickejournalismus, weg vom Massenverwertungsfleischwolf durch den unsere liebste Beschäftigung durch ihre kommerzielle Verwertbarkeit gedreht wird.
 
Der Ballesterer befasst sich mit inländischem wie ausländischem Fußball und hegt eine gewisse Grundsympathie mit dem Underdog. Wir schätzen die Form des Balles und die Dauer eines Spiels und lieben Geschichten, die sich daraus ergeben. Die Beziehungskisten von Fans und Vereinen sehen wir gerade in der aktuellen Lage, aber auch im historischen Kontext, ebenso als sehr reizvoll und beachtenswert an.

 

Fankultur statt Kommerz

Diese zitierten Zeilen sind zwar bereits 20 Jahre alt, haben allerdings nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Nicolas Anelka hat zwar seine aktive Karriere beendet, der Name ist aber beliebig austauschbar. Dieser Tage wurde bekannt, dass Cristiano Ronaldo der erste Fußballmilliardär werden wird. Obwohl er bei Juventus Turin wegen der Corona Pandemie auf einen Teil seines Gehalts verzichtet. Die Profis der englischen Premier League waren nicht so nobel. Der FC Liverpool zahlt seinen Spielern fürstliche Gehälter, wollte aber seine Angestellten in staatlich geförderte Kurzarbeit schicken. Bis der mediale Druck zu groß geworden ist. Bei anderen Vereinen der Premier League ist dieser Schritt untergegangen. Zehn Transfers haben bislang die 100 Millionen Euro Schallmauer durchbrochen. Die Zeche zahlen die Fußballfans. Die diesem kommerziellen Irrsinn endlich die Rote Karte zeigen sollten.
 
Die Medien sind eher Teil des Problems und nicht der Lösung. Es werden artig behübschende Artikel und Bilder geliefert, aber das zu Grunde liegende kranke System nicht hinterfragt. Wird diese Rolle von Fans übernommen, braucht man auf Verunglimpfungen seitens der Boulevardzeitungen nicht lange zu warten. Fankultur soll durch Klatschpublikum ersetzt werden. Siehe Salzburg.
 
Wenn wir nicht wollen, dass sich der Fußball immer weiter von den Fans entfernt, bedarf es eines kritischen und unabhängigen Journalismus. Der Ballesterer hat den Fußball als Fachmagazin mit all seinen Facetten seit dem Jahr 2000 auf ein neues Niveau gehoben und somit den Weg für andere Zeitschriften und Onlineseiten bereitet. Es wäre bedauerlich, könnte der Ballesterer unseren Fußballhorizont künftig nicht mehr offensiv erweitern.
 

Wie kannst du helfen?

Es ist recht simpel auf den Punkt zu bringen – der Ballesterer braucht finanzielle Mittel und noch mehr Leserinnen und Leser, um auch weiterhin den Fußball und die österreichische Medienlandschaft bereichern zu können. Wie ihr Rapidler helfen könnt, findet ihr auf www.ballesterer.at. Ich bin selbst gleich mit gutem Beispiel vorangegangen und habe ein Treueabo über 30 Ausgaben abgeschlossen. Ich hoffe es hilft.