Austria Wien vs. Rapid Wien – die Spielvorschau

Wiener Derby

328. Wiener Derby! Kann Rapid Wien den Schwung aus dem Europacup mitnehmen? Was erwarten sich die Trainer? Wer könnte in der Startelf stehen?

 

Ausgangssituation:

Es war zwar kein fußballerischer Leckerbissen, aber ein magischer Europacupabend mit Gänsehautstimmung. Damit hat sich Rapid zum zweiten Mal für die KO – Phase qualifiziert und darf sich auf einen prominenten Gegner freuen. Der Geldregen gibt auch Spielraum für dringend notwendige Wintertransfers. Die Suche nach einem erfolgreichen Stürmer gestaltet sich mittlerweile ähnlich schwierig wie die nach dem Heiligen Gral.

In der Meisterschaft herrscht dafür Tristesse pur. Platz 8 mit 20 Punkten und nur 16 Toren aus 17 Spielen sind eine Enttäuschung. 5 Spiele sind noch bis zur Teilung in ein Meister- und ein Abstiegsplayoff zu absolvieren. Sturm Graz hat gestern mit einem klaren Erfolg vorgelegt und den Abstand auf 6 Punkte erhöht. TSV Hartberg kann mit einem Sieg in Altach gleichziehen. Somit lastet ein großer Druck auf die Hütteldorfer. Nur mit einem Sieg bleibt eine realistische Chance auf Platz 6. Bei einem Unentschieden würden zumindest die Favoritner in Reichweite bleiben, bei einer Niederlage wächst der Rückstand auf 7 Punkte. Zu viel für nur noch 4 Spiele.

292 Tage ist der Deutsche Thomas Letsch nun schon im Amt und seine Bilanz ist mager. In 32 Matches gab es 15 Siege, 4 Remis und gleich 13 Niederlagen. In der Meisterschaft ist die Bilanz sogar negativ. Mit einem Torverhältnis 35:37. Kein Wunder, dass er bei den Anhängern angezählt ist. Mit einem Derbysieg könnte er jedoch seine Position vorerst etwas festigen.

Vor dem Heimderby haben wir euch die Nummer 2 aus Wien näher vorgestellt (Derbyvorschau) und die Matchanalyse nach dem Spiel findet ihr hier: Derby-Matchanalyse.

 

Rapids Personalsituation:

Im letzten Spiel vor der Winterpause fallen neben den Langzeitausfällen Ivan Mocinic, Tamás Szántó und Paul Gartler noch Andrija Pavlovic und Mario Sonnleitner aus. Stefan Schwab und Manuel Martic haben sich gegen Sturm Graz ihre jeweils vierte gelbe Karte abgeholt und müssen aufpassen.

Tor: Richard Strebinger hat gegen die Glasgow Rangers einen relativ entspannten Abend verbracht und wurde kaum geprüft. Tobias Knoflach wird Ersatz sein.

Innenverteidigung: Mario Sonnleitner fällt verletzt aus, Christopher Dibon ist am Donnerstag bereits wieder auf der Ersatzbank gesessen. Maximilian Hofmann und Mateo Barac haben gegen die Schotten wenig anbrennen lassen und sind Favoriten auf die Startelf in Favoriten.

Außenverteidigung: Marvin Potzmann ist wieder genesen und einsatzbereit. Dass er Mert Müldür aus der Startelf verdrängen kann, ist unwahrscheinlich. Eher zu erwarten ist ein Einsatz als linker Außenverteidiger. Gleichwohl Stephan Auer am Donnerstag eine sehr ordentliche Partie gespielt hat. Boli Bolingoli scheint unter Trainer Didi Kühbauer im linken Mittelfeld gesetzt. Manuel Thurnwald hat Chancen auf den Matchkader, mehr wäre jedoch eine Überraschung.

Zentrales Mittelfeld: Manuel Martic ist einer der großen Gewinner der letzten Wochen und spielt einen sehr passsicheren Sechser. Dejan Ljubicic kämpft in seiner zweiten Profisaison mit seiner Form, hat aber mit dem viel umjubelten Siegtreffer in der Europa League Pluspunkte gesammelt. Stefan Schwab wird froh sein, wenn der Herbst vorbei ist. Er kommt nicht in Form. Christoph Knasmüllner hat nach seiner Einwechslung am Donnerstag viel Dampf gemacht und den Assist zum einzigen Tor gegeben. Mehr Eigenwerbung kann man kaum betreiben. Philipp Malicsek ist ein heißer Kandidat für eine Luftveränderung im Winter.

Flügel: Ähnlich wie auf der Stürmerposition ist das Trainerteam immer noch auf der Suche nach der perfekten Flügelzange. Thomas Murg kommt nicht in Schwung und wurde gegen die Schotten als Zehner aufgeboten. Und nach 45 Minuten ausgewechselt. Andrei Ivan ist am rechten Flügel wenig Substantielles gelungen, Veton Berisha war zu Beginn Stürmer, dann der Ersatz für den Rumänen. Den Siegtreffer hat er eingeleitet. Links setzt Didi Kühbauer auf Boli Bolingoli, ideal erscheint diese Variante allerdings auch nicht. Philipp Schobesberger ist nach seiner Genesung aufgrund seiner Schnelligkeit eher Kandidat als Konterstürmer. Aleksandar KosticKandidat für einen Wintertransfer.

Sturm: Viel hat unser neuer Trainer probiert, wenig ist gelungen. Andrei Ivan, Philipp Schobesberger und Veton Berisha durften sich in den letzten Spielen empfehlen. Oder auch nicht. Andrija Pavlovic ist weiter verletzt und Jérémy Guillemenot wird vermutlich als Missverständnis in die Rapidgeschichte eingehen. Bekommt Deni Alar ausgerechnet im Derby eine neue Chance?

 

Austria Wien 2018/19:

Von der Euphorie rund um die Neueröffnung ihres Stadions ist wenig geblieben. Die Bilanz mit sieben Siege, drei Unentschieden und sieben Niederlagen ist zu wenig für die Ansprüche der Nummer 2 in Wien. Trainer Thomas Letsch hält sich zwar noch im Sattel, hat aber bei den Fans nur noch wenig Kredit – wie einige Anhänger nach der Niederlage in Mattersburg gezeigt haben. Eine Derbyniederlage könnte sein Aus am Verteilerkreis besiegeln.

Alexander Grünwald ist mit 4 Treffern erfolgreichster Torschütze in dieser Meisterschaft, jedoch verletzt. Die Neuzugänge Uros Matic und Bright Edomwonyi haben je 3 Tore beigesteuert.

Die beiden sind auch mit der selben Zahl die besten Torvorlagengeber. Aufpassen muss Rapid auf Maximilian Sax, der nach seiner Verletzung in Form zu kommen scheint – 1 Tor und 2 Vorlagen in 5 Spielen können sich sehen lassen.

Neben ihrem besten Torschützen fällt auch Petar Gluhakovic verletzt aus. Kevin Friesenbichler ist fraglich.

 

Bilanz:

327 Wiener Derby hat es bereits gegeben. 135 Spiele haben die Grün-Weißen gewonnen, 74mal gab es eine Punkteteilung und 118 Begegnungen gingen verloren. Das Torverhältnis ist mit 610:518 klar positiv.

In der Meisterschaft verbuchte der Rekordmeister 123 Siege, bei 71 Remis und 100 Pleiten. Torverhältnis 542:441.

Im Spieljahr 2017/18 konnte Rapid alle drei Auswärtsderbys (Cup und Meisterschaft) für sich entscheiden. Allerdings noch im Happel-Stadion. Beim überzeugenden 4:0-Erfolg im April dieses Jahres durften Stefan Schwab, Thomas Murg, Philipp Schobesberger und Giorgi Kvilitaia anschreiben.

Der letzte Sieg am Verteilerkreis datiert aus der Saison 2015/16. Vor nur 12.500 Zuschauern sorgten die Torschützen Thomas Murg, Steffen Hofmann und Matej Jelic für einen klaren 3:0-Sieg.

 

Stimmen vor dem Spiel:

Didi Kühbauer: „Es war sehr wichtig für die Köpfe aller Spieler, dass wir das Spiel (gegen die Glasgow Rangers, Anm.) erfolgreich bestritten haben. Beim Derby ist keiner Favorit. Es ist für beide Mannschaften wichtig, weil die Mannschaft, die mehr investiert, die mehr an den Sieg glaubt, das Spiel schlussendlich gewinnen wird. Wir fahren dorthin erhobenen Hauptes, mit Selbstvertrauen und ich glaube, dass die Müdigkeit auch kein Thema ist, weil die Jungs alles abrufen werden.“

Richard Strebinger: „Wir müssen als Einheit auftreten. Jeder Spieler muss seine eigenen Stärken, aber auch die Mannschaft muss ihre Stärken ausspielen. Dann werden wir eine sehr, sehr gute Leistung auf den Platz bringen, die auch für einen Sieg reichen kann.

Thomas Letsch: „Wir merken in der Mannschaft, dass ein spezielles Spiel ansteht, wir spüren ein besonderes Kribbeln und freuen uns darauf. Es geht darum, den Fight anzunehmen und die Atmosphäre positiv für uns zu nutzen.

 

Meine Einschätzung:

Es ist ein hitziges Derby im ausverkauften Stadion zu erwarten, denn es steht für beide Teams immens viel auf dem Spiel. Verlieren ist für beide Mannschaften verboten. Ein Remis wäre daher fast logisch, würde aber den Violetten mehr in die Karten spielen. Der österreichische Rekordmeister braucht den Sieg dringender, etwaige Europacupstrapazen dürfen kein Thema sein.

Gelingt der so dringend notwendige Derbysieg, besteht noch Hoffnung auf das Meisterplayoff und mit einer gelungenen Vorbereitung und der ein oder anderen Verstärkung eine Leistungsexplosion im Frühjahr.

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